Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Lexikon der Manipulation Lohnnebenkosten

Lohnnebenkosten

Bezeichnung der Beiträge für die bundesdeutschen sozialen Sicherungssysteme von Interessensvertretern, die diese nicht brauchen.

Sollte man auf eine auskömmliche Rente, ein ausreichendes Einkommen im Falle einer Krankheit oder von Arbeitslosigkeit verzichten? Die Reichen Teile unserer Bevölkerung erziehlen Ihre Einkommen über Pacht-, Miet- und Zinseinnahmen, also nicht in Form von Arbeitseinkommen. Daher sind diese weniger von den obigen Ereignissen existenziell bedroht. Sie können bequem die Kostensteigerungen im Pflege oder Gesundheitsbereich stemmen, während auf Grund von gedeckelten Umlagen, die Kosten ja nicht gedeckelt sind, sondern von den "normalen" Lohnanteilen finanziert werden. D.h. die Senkung der sogenannten Lohnnebenkosten ist geleichbedeutend mit einer dieser Folgen:

  1. Schlechtere Absicherung bei Schicklsalschlägen für die große Mehrheit der Bevölkerung
  2. Höhere Steuerfinanzierung der Sozialsysteme
  3. Höhere Sparquote oder Umschichtung auf riskandere Anlageformen und damit ggf. geringere Ausgaben für Konsum und daraus eine Nachfrageschwäche und geringeres Wirtschaftswachstum
  4. Höhere Kosten für Verwaltung und Marketing einer privaten kapitalgedeckten Versicherung und damit einhergehende höhere Gewinne für die Versicherungswirtschaft
 
„Offenbar sind all diese Fragen vom herrschenden 40 Prozent-Dogma in keiner Weise zu
beantworten. Deutschlands Wirtschaftspolitik hat sich in einer für die Gesellschaft zentralen
Frage eingemauert und total den Überblick verloren. Selbst für die konservativsten unter den
Ökonomen ist die Entscheidung eines Unternehmens, einen Mitarbeiter einzustellen, nicht
davon abhängig, ob die Lohnnebenkosten in Relation zu den übrigen Arbeitskosten steigen,
sondern ob die Arbeitskosten insgesamt zu stark steigen im Verhältnis zur Produktivität.
Dass die Arbeitskosten in Deutschland insgesamt zu stark gestiegen sind oder noch steigen,
kann aber niemand im Ernst behaupten. Seit 25 Jahren schon bleiben die Zuwächse der
Reallöhne tendenziell hinter den Zuwächsen bei der Produktivität zurück, wobei in den letzten
Jahren sogar eine starke Beschleunigung dieser Tendenz festzustellen ist. Das gilt auch im
Vergleich zum Ausland, wo es nur in wenigen Ländern eine ähnliche Zurückhaltung gibt.
Damit fällt der letzte Verteidigungswall für das Lohnnebenkostendogma: Wenn die gesamten
Arbeitskosten nicht zu hoch sind, kann – logischerweise - nicht ein Teil derselben zu hoch
sein.“

Heiner Flassbeck
Links
Artikelaktionen